Liebe Graduierten, liebe Angehörige, liebe Gäste!
Zu allererst gratulieren wir Euch, liebe Kommilitonen und Kommilitoninnen zum erfolgreichen Abschluss eures Studiums. Warum Ihr hier seid, ist euch natürlich bewusst, doch sicher fragt ihr Euch, warum wir hier sind und noch vielmehr, wer wir sind.
Wir sind Studierende der Universität Erfurt und ein Teil des Plenums, welches im Zuge des Bildungsstreiks seit Dienstag das Audimax der Uni besetzt hält. Diese Besetzung wurde im Anschluss an die Vollversammlung mehrheitlich beschlossen.
Wir zwei, die hier stehen, sind allerdings nur ein Teil einer Gruppe verschiedenster Meinungen. Daher können wir nicht im Namen aller sprechen.
Außerdem möchten wir betonen, dass das Plenum keine einheitliche parteipolitische Richtung vertritt.
Warum sind wir im Audimax?
Das Audimax ist der größte und repräsentativste Raum der Uni. Er bietet Platz, um mit vielen Menschen einen Diskurs über Bildung zu führen.
Für was brauchen wir diesen Raum?
Wir brauchen ihn, um uns mit Problemen im Bildungssystem auseinander zu setzen, zu reflektieren und Lösungsansätze zu erarbeiten.
Im normalen Studienalltag wird uns dazu weder Zeit noch Platz gegeben.
Das Thema Bildung ist sehr wichtig und betrifft uns jeden Tag aufs Neue. Daher müssen wir uns jetzt die Zeit nehmen. Es bringt nichts, noch länger auf Besserung zu warten!
Für Veränderungen brauchen wir Öffentlichkeit. Die haben wir durch die Besetzung geschaffen. Zum Beispiel besuchte uns am zweiten Tag der Besetzung überraschend der Kultusminister Matschie, viele Dozenten sagten ihre Meinung und diskutierten mit uns. Thüringer Zeitungen begleiteten uns von Beginn an, gestern kam sogar die ARD.
Diese Öffentlichkeit nutzen wir nicht nur für studentische Belange, sondern für alle Bereiche des Bildungssystems. Wir wollen jeden einzelnen Menschen damit ansprechen.
Natürlich könnte man sich nur in Hochschulgremien einsetzen, und genau das tun viele von uns ja auch. Und sie arbeiten in genau diesen Gremien mit. Außerdem ist eine große Gruppe wie die BildungsAG, die sich regelmäßig zu diesen Themen trifft, aus dem letzten Bildungsstreik im Juni hervorgegangen. Und auch dafür ist eine Aktion wie der Bildungsstreik wichtig. Sie kann uns Impulse und Rückenwind geben. Aber mit diesen Gremien, die bekanntermaßen in kleinen Gruppen stattfinden, können wir keine Öffentlichkeit schaffen. Weder die mediale, wie die Aufmerksamkeit der Presse, noch die Öffentlichkeit bei den Studierenden.
Doch ebendiese Öffentlichkeit brauchen wir, um breite gesellschaftliche Schichten für die Problematik zu sensibilisieren und unseren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Bis jetzt waren wir recht allgemein, wollen nun aber mehr auf die inhaltliche Ebene eingehen.
Hier an der Uni Erfurt haben wir uns nicht einfach einem bundeseinheitlichen Forderungskatalog angeschlossen, sondern im Plenum und Arbeitsgruppen Probleme und Lösungsansätze. diskutiert. Natürlich gibt es dabei auch Überschneidungen mit bundeseinheitlichen Forderungen, aber manche treffen auch nur auf uns zu. Zum Beispiel die Personalkapazitäten im BAföG-Amt. Die ausreichende Finanzierung des Bildungssystem ist ein ganz wichtiges Thema für uns, denn wir wollen, dass unter guten Bedingungen gelernt und gelehrt werden kann.
Darum setzen wir uns auch dafür ein, dass der Wegfall der Verwaltungsgebühren ordentlich gegenfinanziert wird. Auch wenn das nach einer alten Forderung klingt, es geht auch darum, endlich eine echte studentische Mitbestimmung zu erreichen! Und zwar an allen universitären Entscheidungsprozessen. Mit der Einführung des Hochschulrates in jetziger Form haben wir uns in den letzten Jahren genau von diesem Ziel weiter entfernt.
Warum sollte auch Sie das interessieren?
Wir glauben, dass Bildung eine gesamtgesellschaftliche Frage ist. Daher freuen wir uns, dass wir sie auch hier thematisieren konnten. Dank an dieser Stelle auch dem Präsidenten Kai Brodersen.
Führen Sie mit uns diesen Diskurs und setzen Sie sich gemeinsam mit uns für positive Veränderungen im Bildungssystem ein!
Die Besetzer_innen des Audimax
wurde nicht im Plenum abgestimmt, nicht zu gendern?! Also das ist dann aber nicht im Sinne des Plenums, nein nein nein *rofl*
Ach das habt Ihr wirklich toll gemacht!!!!
Ich denke die Rede kann nur auf Verständnis und Solidarität stoßen, genau wie die bisherigen Aktionen!
Unglaublich was Ihr bislang auf die Beine gestellt habt!
Und bei allen Nörglern und Kritikern, die Euch Unorganisiertheit oder ähnliches vorwerfen, muss ich betonen: das sind STUDENTEN, die das machen! – Keine Profis und nicht nur an dieser Tatsache gemessen habt Ihr großartiges geleistet!
RESPEKT!!!!
schließe mich der Meinung von BEGEISTERTER an, fettes respekt für alles was seit dienstag in erfurt erreicht und durchgeführt wurde
ja echt mal: nicht gendern!!! xD
Ihr haltet Bildung für eine gesamtgesellschaftliche Frage und appelliert an die Landespolitik für die Umverteilung von Staatsgeldern in die Bildung? Wenn ihr die Rolle der Bildung in der Gesellschaft verstehen würdet, würdet ihr nicht für mehr Geld und Mitbestimmung, sondern die Abschaffung des Kapitalismus fordern.
die mit dieser für mich erstaunlichen Vernunft hervorgebrachten Aussagen von Erfurtbrennt verdienen meinen vollen Respekt. Insbesondere das dass “Eigentor” Verwaltungsgebühr-abschaffen so wahrgenommen wird freut mich.
und @antijuli: Abschaffung des Kapitalismus? Anfangen mit Nachdenken! solch eine unreflektierte und sinnlos populistische Forderung einfach mal so hinstellen, ganz großes Damenpingpong.
Ja, die Rede is irgendwie einfühlsam. Aber nun auch weitermachen!
Was ist denn nun mit nem Ausbau der Internetpräsenz? Wo ist das Wiki, welche AGs gibt es überhaupt? etc.
Ick will Transparenz, Möglichkeiten zum Mitmachen und Mitentscheiden – und zwar auch von zu hause aus!
[http://www.youtube.com/watch?v=p4LyOX2ccMw Uniprotestsoundtrack aus Österreich]
@Antijuli: Die Abschaffung des Kapitalismus fordern? Man stelle sich einmal vor, die Studenten hätten sich das auf die Fahnen geschrieben…. ja, dann hätte man uns gewiss ernst genommen!;)
Als Studentin, die ihren Bachelor in 6. Semestern beendet hat, ohne unter ständigen Schweiß- und Stressattacken zu leiden, kommt man sich momentan komisch vor. Und noch komischer, da dies keine Ausnahme ist. Und alle Leute die sich mehr Zeit für ihren Bachelor nehmen wollen, können das ohne Probleme machen. Tun auch einige aus meinem Semester und denen wird dies in keinster Weise verwehrt. Daher kann ich viele Forderungen nicht nachvollziehen. Mich wundert auch wie viele Erstsemester bei dem Bildungsstreik mitmachen. Fraglich wie man nach 6 Wochen Studium das gesamte Bachelor und Mastersystem beurteilen kann. Wenn überhaupt, hätte man jetzt unter den Absolventen nach ihren Erfahrungen fragen müssen. Ist aber nicht passiert. Vielleicht auch weil unter den Graduierten die Meinung differenzierter und weit weniger pauschal vernichtend ist.
@Saskia:
Richtig, hinterher ist man immer schlauer und fühlt sich gut, weil man “durchgestanden” und “geleistet” hat. Ja, Bildung, Lernen, Wissensaneignung und Studium sind auch leidvoll, kosten Anstrengung und Nerven. Ja, neue Situationen und Anforderungen müssen angegangen werden, man muss sich einstellen, Rückschläge verkraften und sich gewöhnen.
Schön ist es also, etwas erreicht zu haben, für sich selbst und andere.
Aber hinterher ist der Standpunkt (fast) immer anders. Klar kann der Bachelor geschafft werden. Aber die Frage ist, was du alles in dieser Zeit verpasst hast und was du hättest anders, weniger oder mehr oder besser gemacht hättest. Die Frage ist, ob du überhaupt die Möglichkeit gehabt hast, etwas anderes zu machen. Ob und in welchem Maß du die Freiheit hattest.
Anstrengung und Arbeitsaufwand sind m.E. nicht die Kategorien, um dein Erfolg zu messen. Auch Anwendungswissen ist nicht DER richtige Indikator.
Schreib doch mal deine Erfahrungen und Veränderungen auf. Warum hast du studiert und was denkst du soll ein Studium bringen? Was sollte eine Uni dir dafür zur Verfügung stellen? Was denkst du über Bildung?
Kann es sein, dass man grundsätzlich unterscheiden muss zwischen zwei verschiedenen Perspektiven?
Es gibt die eine, die egoistischer ist; Da gehts um die eigenen ganz persönlichen Forderungen. Ich will dies, ich will jenes nicht, etc.
Aus dieser Perspektive kann man natürlich sagen: Mir gehts nich so schlecht. Was an der Uni Erfurt nahe liegt, denn hier läufts angenehmer als anderswo, ohne Zweifel.
Viele solidarisieren sich aber mit dem Streik, weil sie sehen, dass es nicht reicht, die Hand aufzuhalten und nach mehr Geld zu schreien. Es reicht nicht, eine “bessere” Bildung für sich in Anspruch nehmen zu wollen.
Es geht um das System, um die Strukturen, zB. die soziale Auslese und die Bevorteilung der ohnehin schon Privilegierten.
Beide Perspektiven haben ihre Berechtigung. Von Studenten erwarte ich aber zum Beispiel auch, dass sie sich Gedanken machen, die über sich selbst hinausgehen; Gesellschaft, Gerechtigkeit, Ideale!
Nur mit sich selbst zu beschäftigen? Is wenig.
Julian
@ Julian:
“Nur mit sich selbst beschäftigen? Is wenig”
Jo, du hast “natürlich” Recht. Ich habe trotzdem mal ein bissl drüber nachgedacht. Und – wenn auch nicht ganz schlüssig – schon das Gefühl, dass man durch “das Nachdenken über sich selbst” den Bogen zu
den “Strukturen” schlagen könnte.
Egoismus ist für mich schlecht, wenn er als ungesunde Selbstbezogenheit verstanden wird und (im Verständnis von Selbstsucht) das Wohl auf Kosten des anderen/fremden Glücks als Lebensinhalt oder -ziel hat.
Wenn du die Bildungsproblematik rational und argumentativ in dem Konzept “Bildungsssytem” aufgehen lässt – und das passiert meist sehr erfolgreich durch theoretische Einsicht -, dann muss man grundsätzlich
zwischen zwei Ebenen unterscheiden: und zwar zwischen einer individualisierten Ebene der sozialen Praxis der Einzelnen und einer gesamtgesellschaftlichen Ebene mit Gruppen und Institutionen, wo die
Individuen Teile einer Menge sind und durch ihre Beziehungen untereinander Strukturen ausbilden und sich große Muster und Verhältnisse erst erkennen lassen.
Dementsprechend bestehen auf diesen Ebenen viele unterschiedliche Standpunkte, die durch ihre eigenen Perspektiven und Distanzen auf bzw. zu den jeweiligen Wirklichkeitsbereichen oder -ausschnitten bestimmt sind. Das gemeinsame der Standpunkte ist also, dass sie sich auf dergleichen Ebene befinden.
(Dieses System ändert sich selbst, es ändert sich im Verhältnis mit allen anderen Dingen außerhalb dieses Sytsems – und es ändert sich, weil alle verschiedenen Teile in diesem Ding sich kreuz und quer in allen Bereichen bzw. Dimensionen ändern bzw. bewegen. Was als Struktur, Bedingung oder Natur oder Wesen objektiviert beschrieben wird, ist dabei unterstellt, dass es im Moment besteht.
Auf der Makroebene interessieren dabei gesamtgesellschaftliche Prozesse. So gesehen resultieren Veränderungen primär durch Wechselwirkung zwischen den Gruppen und den durch sie geschaffenen
strukturellen Bedingungen.
Auf der zweiten Ebene der Individuen lässt sich der Effekt des Bestehens oder der Kontinuität als die Reproduktion des jeweiligen letzten Moments betrachten. Die Individuen selbst schaffen das Sytsem durch ihr tägliches individuelles oder kollektives Handeln, sie negieren oder (re)produzieren das Vorherige – und reproduzieren somit auch die Bedingungen (nicht nur ökonomische, zB auch situative
Wahrnehmungsstrukturen), welche die Menschen gleichzeitig in ihrem Handeln reziprok beeinflussen.)
In diesem Konzept spielen aber die subjektiven Wahrnehmungsprozesse und Handlungsmotivationen keine Rolle, es sei denn sie gründen in Mentalitäten oder Ideologien oder typenhaften Identitätskonzepten,
die sich analytisch erklären lassen.
Warum und wie die Individuen handeln und sich verhalten, wird also aus einer Außenperspektive mit funktionalistischen und strukturalistischen Ansätzen erklärt: da gibt es egoistische Nutzenmaximierung mit Abstufungen, reziproke Win-win-Strategien, Gruppen-, Gemeinschafts-, Klassen- und Schichtzugehörigkeiten sowie kollektive Identitäten oder praxisbezogene
Vernunfthandlungen mit oder ohne Ideale.
Wenn man aber das Handeln und Verhalten und die Einstellungen in der subjektiven Eigenlogik erklären will, dann muss man sich mit der Vorstellungs- und Gefühlswelt des Subjekts auseinandersetzen und verstehen.
Im Mittelpunkt steht dann die Lebenswelt des Menschen – das alltägliche Erleben in Auseinadersetzung mit der Umwelt und sich selbst -, zu der alles gehört, was in diesem Kontext relevanten Sinn für das Selbst
(als Zentrum der Lebenswelt) hat. Erst mit dem Wandel des Selbst, mit der Konfrontation des Eigenen mit dem Anderen oder Fremden verändert sich die Lebenswelt und somit der Bezug zur bzw. die Sicht auf
die “Welt” .
In diesem Zusammenhang bedeutet “Bildung” ein ständiges “sich-ins-Bilde-setzen”, eine Selbst-Bildung. Sie ist eine Konfrontation und Auseinandersetzung mit dem Anderen und dem Fremden, ist eine Horizontveränderung und -erweiterung, eine prozesshafte Veränderung durch indirekte Selbstvermittlung in Form von Handlung und Kommunikation.
Will man jmdm. also von etwas Gutem überzeugen, zur Einsicht bringen oder zur Erkenntnis; dann muss das vermeintlich negative oder schlechte Gedankensystem dekonstruiert und neu ausgerichtet werden bzw. innerhalb des Systems muss dasselbe ad absurdum geführt werden, was nur in der Auseinandersetzung des Dialogs geschehen kann.
Das bedeutet:
In korrekter Weise muss dies in einer behutsamen und einfühlsamen Auseinader-Setzung passieren, die bestenfalls Gemeinsamkeiten sucht und kreiert, die aber temporäre Desillusionierungszustände- und
erleben in der Lebenswelt nicht ausschließt.
So ist zB nur zu begrüßen, dass Studierende derzeit in Europa Hörsäle als “Freiräume” besetzen. Dadurch wird der vermeintliche “Uni-Alltag” unterbrochen und es entsteht sprichwörtlich Raum (und Zeit), um inne zu halten, die kommunikative und geistige Auseinandersetzung zu führen und sich “selbst” und “andere” zu bilden. Dass in diesem Raum durch Handlungen gleichzeitig ein – wenn
auch zeitlich begrenzt – neuer Alltag entsteht, der zugleich symbolisch aufgeladen ist (so vllt länger bestehen bleibt), muss dies (bei Ausdifferenzierung und Festigung) langfristig Auswirkungen auf die Lebenswelten und schließlich auf die Weltbezüge der Studenten haben. Quasi von der Selbstwahrnehmung zur Weltwahrnehmung.
Für mich ist daher im Umgang mit Anderen oder Fremden, die mir suspekt sind oder die “falsche” Ansichten vertreten bzw. gar keine, geboten:
(1) Bereitschaft und Motivation entwickeln, Wille fördern, durch rationale Einsicht oder Erfahrung (Humor, Empathie mit moralischem Affekt Mitleid); nicht-gerichteten momentanen Gefühlszustand (Befindlichkeit oder Stimmung) positiv fördern, Erlebnisse schaffen
(2) Selbstformung durch Aktivität, durch Handlung und Kommunikation. Wahrnehmung vollzieht sich in der Interaktion mit der sozialen bzw. sprachlichen Umwelt. Da Denken eine dialogische Struktur aufweist, muss man mit anderen “gesprochen” haben, um denken zu können. (also auch Lesen gemeint)
(3) Ehrlichkeit und Gründlichkeit, Eindeutigkeiten bzw. gemeinsamer Wissensstand, “ein Nenner” in allen Überlegungen, Abläufen, Handlungen, Organisationen: schafft Vertrauen und Transparenz, (re)produziert Ver-Antwortung
(4) Toleranz und Respekt vor jeglichen Standpunkten und jeweiligen Situationen der Personen; Ernst nehmen, kritische, aber einfühlsame Kommunikation; von Verhalten nicht vorschnell auf die Person schliessen
@ Saskia: Ich kann den Gedanken bezüglich der Erstsemesterer auf jeden Fall nachvollziehen! Ich selbst habe erst im Oktober, also vor nicht einmal 2 Monaten angefangen zu studieren. Daher fällt es mir sehr schwer Stellung zu beziehen. Mir sind allerdings auch in der kurzen Zeit einige Dinge aufgefallen, die mich sehr gestört haben (zB. übervolle Seminare).
Ich habe bislang an den Demonstrationen teilgenommen und in einigen Plenarsitzungen reingeschaut, jedoch nicht aktiv teilgenommen.
Ich bin darüber erstaunt wie stark einige Erstsemesterer im Streik involviert sind und sich engagieren. Ich habe aber bei diesen nicht den Eindruck, dass sie lediglich nur die Meinungen anderer nachplappern – was ja durchaus vorstellbar wäre, aufgrund mangelnder eigener Erfahrungen.
Ich habe große Achtung und Respekt davor was in der letzten Woche von den Studenten und ins besondere von einigen Studienanfängern geleistet wurde!
BRAVO
@ Saskia:
Die Frage, ob Erstsemester überhaupt beurteilen können, was der neue Studiengang bringt oder nicht und wie er sich anfühlt, ist legitim und verständlich, ja.
Aber wie stellst du dir denn den typischen Erstsemester vor? Bedeutet das dann etwa auch, dass ein 18-jähriger gar nicht wählen gehen sollte?
Wenn ich es richtig verstanden habe, betrifft der Protest alle Menschen an der “Uni”, die alle in unterschiedlichen Situationen und Bereichen handeln und arbeiten. Es ist legitim, dass jeder seine Perspektive hat und von seinem Standpunkt her Interessen vertritt, kritisiert und agiert. Alle dort sind mündig und geben Input. Nur so kann ein Gesamtbild der Problematik entstehen und bestehen.
Und es ist legitim, dass diese Leute sich solidarisieren, Rücksicht nehmen und Einsicht üben, Dinge anerkennen, die sie selbst nicht unbedingt betreffen oder “sehen” können.
Daher ist deine Frage zwar verständlich, aber nicht durchdacht – und erweckt durch ihre Formulierung den Anschein, dass deines Erachtens nur Leute partizipieren sollten, die erfahren sind und “geleistet” haben. Inflationäre Wissensaneignung und Arbeitsaufwand in ihrer gesamten Semantik sind nicht die Voraussetzungen für Mitmachen und Mitentscheidung(siehe meinen Eintrag auf deinen Post oben)
Wenn ich es richtig sehe, betrifft der Streik das gesamte Bildungssystem, nämlich im Kern die Verkehrung in eine strukturelle und tiefgreifende Ökonomisierung.
Im Übrigen: Die Erstsemester können froh sein, dass sie zu diesem Zeitpunkt an die Uni Erfurt gekommen sind, denn das wird sie von Beginn an sensibilisieren für das, was “Uni” und “Studium” heute bedeutet und eigentlich heißen sollte.